VISIT LINZ
11.04.2024

Wenn Bilder auf Reisen gehen

Im Lentos Kunstmuseum zeigt die aktuelle Ausstellung „Die Reise der Bilder“ noch bis 8. September 2024 mehr als 80 Kunstwerke, die während des Dritten Reichs eingelagert, gesammelt und geraubt wurden.

Schon viele Male hat mich die Geschichte fasziniert, oftmals überrascht und in manchen Fällen auch schockiert. Das trifft auch auf den Nationalsozialismus zu und die Verbrechen die damals auf unterschiedliche Weise begangen wurden. Einen für mich neuen Aspekt zeigt die aktuelle Ausstellung im Lentos Kunstmuseum: Die Reise der Bilder.

Kunst und Gedächtnis

Die Ausstellung „Die Reise der Bilder“ beschäftigt sich einerseits mit dem Kunstraub, andererseits auch mit der Aufbewahrung der Kunst in der NS-Zeit. „Das Salzkammergut und Linz sind eng miteinander verbunden, weil im Salzbergwerk Aussee die Einlagerung der Kunstwerke für das Führermuseum stattfand. Daher lag es auf der Hand, dass sich das Lentos Kunstmuseum mit dieser Thematik befasste“, meint Direktorin Hemma Schmutz. In Zusammenarbeit mit der Kulturhauptstadt 2024 zeigt auch Bad Ischl das Schicksal von Kunstwerken, die geraubt oder verschleppt wurden, und in Bad Aussee wird das Leben des Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt und sein problematisches Erbe näher beleuchtet.

Wir betreten mit der Kunstvermittlerin Karin Schneider einen großen, weitläufigen Raum im zweiten Obergeschoß um unsere eigene Reise durch diese geschichtliche Ära zu beginnen. Doch vorab sollen wir noch in den Raum der Sammlung sehen, meint sie. Dieses Mal könnte er thematisch nämlich nicht besser passen, denn hier wird auch gezeigt, welche Bilder auf Reisen gegangen sind. Zahlreiche Werke aus dem Lentos – wie zum Beispiel ein bekanntes Bild von Klimt – wurden durch ausführliche Provenienzforschung an die rechtmäßigen Besitzer*innen zurückgegeben. Der Grundstein des Lentos Kunstmuseum geht auf die Sammlung von Wolfgang Gurlitt zurück. Er war deutscher Kunstsammler und Kunsthändler. Im Nationalsozialismus war er auch an der Planung des „Führermuseums“ in Linz beteiligt. Zahlreiche Werke wurden in dieser Zeit angekauft, aber auch unrechtmäßig beschlagnahmt und erst jetzt im 21. Jahrhundert nach und nach wieder zurückgebracht. Diese Suche ist mitunter sehr aufwendig und ist nach wie vor bei vielen Werken im Laufen.

Alte Meister

Die ganze Ausstellung ist mit prunkvollen, idealistischen Bildern in wunderschönen goldenen Rahmen vom 8. bis 20. Jahrhundert bestückt. Manche dieser Werke sind aus dem eigenen Bestand des Lentos, viele davon sind auch Leihgaben aus anderen Museen. Dabei sind bekannte Künstler*innen wie Arnold Böck­lin, Goya, Edvard Munch, Lovis Corinth, oder auch Max Lie­ber­mann zu sehen. Kennt man den Hintergrund, findet man sofort in nahezu jedem Bild die Ideale und Werte, die damals vermittelt werden sollten: Klare Geschlechterverhältnisse, Familie, Ordnung.

Bilder der Moderne oder des Expressionismus sind hier nicht zu finden. Die galten damals als „Entartete Kunst“ und wurden auch verfolgt. Die Kunstvermittlerin erklärt uns, dass Kunst dazu verwendet wurde um Volksbildung zu betreiben. Hitler selbst hielt sich für einen Kunstsammler und –historiker. „Man schätzt, obwohl viele Werke gestohlen und nicht angekauft wurden, sind trotzdem um die 100.000.000 Reichsmark für die Kunstsammlung verwendet worden“, erzählt Karin Schneider weiter.

Ich lasse die Bilder noch auf mich wirken und mache nochmal einen ganz bewussten Rundgang. In der Mitte des Raumes stehen gemütliche Möbel, die an ein altes Wohnzimmer erinnern. Es wirkt alles sehr aufgeräumt und vorzeigbar, jedoch finden sich auch irritierende Elemente. Eine Wiege ziert den Schriftzug „Für Volk und Vaterland“. So beeindruckend die Bilder und Darstellungen der Künstler*innen an sich sind, mich lassen die unsichtbaren Geschichten dahinter nicht mehr los. Ob ihre Maler damals wussten, was ihre Gemälde alles zu sehen bekommen?

Ausstellung: Reise der Bilder

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