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24.09.2020

Von Graffiti und Bananas: Street-Art Ausstellung im Nordico

Für den heutigen Nachmittag habe ich mir eine Führung im Nordico Stadtmuseum ausgemacht. Das lasse ich mir nicht entgehen, wenn „verbotene Kunst“ einmal offiziell in ein Museum einzieht. „Graffiti & Bananas“ heißt die neue Ausstellung, die die Vielfalt der Linzer Street-Art dokumentiert.

Einerseits bin ich beeindruckt von der Fülle an bestehenden Graffitis, die mit rund 1.000 Fotografien an den Wänden ausgehängt sind, andererseits bestaune ich auch die eigens angefertigten Werke für die Schau. Insgesamt 17 Murals sind im Zuge der Ausstellungsvorbereitung von unterschiedlichen Künstlern entstanden, unter anderem auch vom Linzer Künstler Skero.

Street-Art: Wie und wo überhaupt?

Wir werden vom Kunstvermittler Klaus Scheuringer durch die Ausstellung geführt, der selbst Künstler ist, und uns gleich zu Beginn in die Graffiti-Szene einführt: Experten unterscheiden nämlich drei Begrifflichkeiten im Rahmen von Street-Art: Die klassischen Graffitis sind schnell gemalte Wandzeichnungen, ähnlich wie die Stencils, die durch Schablonen aufgesprayt werden. Beide Kategorien entstehen bei den Künstlern unter Zeitdruck, da diese eigentlich illegal und Sachbeschädigung sind. Die großflächigen „Murals“, wie sie zum Beispiel durch die Mural-Harbor-Galerie im Linzer Hafen bekannt geworden sind, sind mehr oder weniger Auftragswerke. Hier herrscht kein Zeitdruck, die Motive sind meist gut überlegt.
Die Frage, die man sich bei allen drei Kategorien stellen kann, fragt der Kunstvermittler uns als Gruppe: Sind die Gebäude durch die Spray-Kunst schöner oder attraktiver geworden? Verzieren die Kunstwerke alte Gebäude oder nehmen sie ihnen die Authentizität?

Was Bananen mit Kunst verbindet

Der Titel der Ausstellung hat für mich eine weitere Frage aufgeworfen: Was hat die Banane mit Kunst zu tun? Ich stelle für mich eine eigene Verbindung her: So wie die Graffiti-Kunst aus dem Alltag kommt und Themen transportiert, die jeden betreffen, so ist auch die Banane eine „Allerweltsfrucht“, die jeder in seinem Haushalt hat. Später erfahre ich in der Ausstellung, dass die Banane von einem Künstler namens Thomas Baumgärtl in Verbindung mit Galerien und Museen gebracht wurde. Der „Bananensprayer“ hat ein inoffizielles Logo der Kunstszene geschaffen indem er mit gesprayten Bananen auf - seiner Meinung nach - spannende Kunsthäuser hingewiesen hat.

Linz und die Graffiti-Kunst

Das Nordico Stadtmuseum beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Stadtkultur und kuratiert ganz bewusst Ausstellungen über Linz. Dieses Jahr haben sich die Kuratoren zum Anlass genommen nicht wegzusehen, sondern im Gegenteil, ganz genau hinzusehen. Mit der Ausstellung „Graffiti & Bananas“ wird erstmals die Entwicklung von Street-Art in der Donaustadt dokumentiert.

„Was denkt ihr, ist der beliebteste Ort an dem Graffiti-Künstler ihre Kunstwerke hinterlassen?“, fragt uns der Kunstvermittler. Während ich mir die Bilder an den Wänden durchsehe wird es mir klar: Züge. Logisch, denke ich mir. Denn auf Zügen seine Schriftzüge und Botschaften zu hinterlassen bedeutet nicht nur, dass sie von einer großen Menge an Personen gesehen werden, sondern dass sie damit auch oft durch ganz Europa transportiert werden.

Im Anschluss an unsere Führung unternehmen wir noch einen Spaziergang durch die Innenstadt und begeben uns auf die Suche nach Street-Art. Wir finden sie auf Straßenlaternen, alten Häusern, Stromkästen oder Unterführungen. Oft sind es nur kleine Kritzeleien, manchmal haben wir ganze Häusermauern entdeckt, die bemalt wurden.
Als ich später nachhause ging, entdeckte ich plötzlich überall Werke auf der Straße.

Kooperation mit der Mural-Harbor-Galerie

Eine einzigartige Ausstellung ist Linz-Fans natürlich bereits bekannt: Die Mural-Harbor-Graffiti-Galerie ist Europas größte Outdoor-Galerie im Linzer Hafen. Meterhohe Murals zieren die einst grauen Fassaden der Industriegebäude. Mehr als 350 Kunstwerke sind hier mittlerweile zu sehen. Auch für mich eröffnet jeder Besuch wieder neue Entdeckungen. In Zusammenarbeit mit der Ausstellung im Nordico, können Besucher auch Exkursionen in die Graffiti-Galerie unternehmen und sich im Anschluss selbst als „Sprayer“ versuchen.

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