VISIT LINZ
12.10.2021

Missing Linz 11: Gekommen, um zu bleiben

Der in Salzburg aufgewachsene Schlagwerker Christoph Sietzen gilt als Ausnahmetalent. Als 14-Jähriger bekam der junge Musiker regelmäßig Unterricht an der Anton Bruckner Privatuniversität. Mit 17 zog er nach Linz, um hier zu studieren. Elf Jahre später lebt Christoph Sietzen immer noch in der Stadt an der Donau und weiß, was er vermisst, wenn er für Konzertreisen in der Welt unterwegs ist.

Sie haben bereits im Alter von zehn Jahren Konzerte gespielt, gaben mit 12 ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen. Wie sind sie zur Musik gekommen?

Ich habe mit ungefähr sechs Jahren begonnen und mit großem Spaß in einer Xylophon-Gruppe im Kindergarten gespielt. Meine Eltern haben mir dann einen sehr guten Lehrer gesucht, auch in der Familie gab es einige Musiker. Der Weg in die Musik hat sich also schon sehr früh abgezeichnet.

Und dieser Weg führte Sie nach Linz …

Genau. Die Bruckner Uni hat mit ihrer Schlagwerkklasse einen internationalen Leuchtturm und feiert große Erfolge in verschiedensten Feldern. Deshalb war für mich schon früh klar, dass ich für mein Studium an die Bruckner Uni gehe.

Nach dem Studium sind Sie geblieben.

Ja, ich lebe jetzt seit etwas mehr als elf Jahren in Linz, ich wollte nach dem Studium nicht mehr weg. Das liegt einerseits am Freundeskreis, den ich mir hier aufgebaut habe. Andererseits an der Musik: Ich spiele hier im Marimba-Ensemble „The Wave Quartet“, unterrichte mittlerweile selbst an der Bruckner Uni und habe in Steyregg einen super Proberaum. Und es liegt an der Stadt selbst: Ich mag Linz sehr und genieße es, hier zu leben. Linz hat für mich die richtige Größe, man ist schnell in der Natur. Ich fahre gerne Rennrad, dafür gibt es entlang der Donau und im Mühlviertel sehr gute Strecken. Wenn ich an andere, größere Städte denke: Dort dauert es länger, bis man aus der Hektik draußen ist. Und ich muss auch sagen: Alleine in den Jahren, in denen ich Linz kenne, hat sich die Stadt wahnsinnig entwickelt. Die neue Bruckner Uni, das Musiktheater – was sich allein in diesem Bereich in den letzten Jahren getan hat, ist fantastisch! Und man kann Wasserski fahren auf der Donau – das habe ich letztes Jahr kurz vor Saisonschluss noch gemacht, das war richtig cool!

Würden Sie sich selbst mittlerweile als Linzer bezeichnen?

Irgendwie schon, aber auch als Salzburger. Und von der Sprache her nimmt man mich in Linz nicht als Linzer wahr, eher noch als Deutschen. Also sprachlich bin ich noch nicht so ganz angepasst.

Was zeigen Sie Besuchern, die zum ersten Mal nach Linz kommen?

Einerseits die kulturellen Hotspots und Institutionen. Ich würde auf jeden Fall auch auf den Pöstlingberg fahren – oder gehen. Es ist ja eher ein Hügel als ein Berg, wenn man aus Salzburg den Untersberg gewohnt ist. Ich finde das Panorama vom Pöstlingberg herrlich und man bekommt einen schönen Überblick über die ganze Stadt. An der Donau spazieren, durch die Altstadt, über die Landstraße bis hin zum Musiktheater – das ist eine schöne Runde für den Einstieg. Und ich würde vielleicht auch Richtung Leonding schauen, wo der Wein angebaut wird und die Buschenschank ist – das ist eine Seite von Linz, die ich erst im Laufe der Zeit kennengelernt habe und die im Gegensatz zum Stahlstadt-Ruf steht, den Linz hat. Wobei Linz für mich gerade auch als Industriestadt etwas moderner und innovativer ist als Salzburg. Die industrielle Prägung bringt auch Vorteile.

Haben Sie Lieblingslokale in der Stadt?

Nicht direkt. Ich habe eher ein paar Lokale, in die ich demnächst gehen möchte: ins Fischerhäusl in Urfahr zum Beispiel, ins Göttfried in der Altstadt und mal wieder ins Pianino.

Was vermissen Sie an Linz, wenn Sie in der Welt unterwegs sind?

Das kommt immer ein wenig darauf an, wo ich bin. Als ich das erste Mal in China war, habe ich Österreich sehr vermisst. In China gibt es diese völlig andere Art der Stadtplanung – Wohntürme werden einfach hingepflanzt, man ist von viel Beton umgeben. Das ist bei uns zum Glück anders und ich schätze das sehr an Städten wie Linz oder auch Salzburg, dass man um sich herum wahnsinnig viel Grün hat.

Gibt es etwas, dass Sie IN Linz vermissen?

Nein, eigentlich nicht. Natürlich gibt es in anderen, größeren Städten mehr Gastronomie-, Kultur- oder Freizeitangebote. Wenn ich unterwegs bin, komme ich auch in den Genuss davon. Aber ich könnte nicht sagen, dass mir deshalb in Linz etwas fehlt. Ich erinnere mich gern an eine Begegnung mit einem Taxifahrer in Barcelona, der mir von Linz vorgeschwärmt hat. Er hat wohl selbst lange in Linz gelebt und kennt auch Salzburg und Wien, aber: „Linz! Linz ist die beste Stadt!“ Und auch nach fünf oder sechs Jahren in Barcelona – was ja auch keine schlechte Stadt ist und viel bietet – vermisst  er Linz noch immer. Ich fand das sehr lustig, in Barcelona auf einen so großen Linz-Fan zu treffen.

Was ist für Sie typisch Linz?

Die Linzer Torte. Die Menschen, die sehr offen sind. Das Bruckner Orchester Linz und die Bruckner Uni. Die Natur und dieser Mix aus Industrie und Kultur.

 

 

Gibt es einen musikalischen Moment in Linz, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, einige sehr frühe. Ich erinnere mich an das Prima La Musica-Preisträgerkonzert im Großen Saal im Brucknerhaus, das ich mit 11 oder 12 Jahren spielen durfte. Bei diesen Anlässen war immer auch der Landeshauptmann Josef Pühringer persönlich anwesend, was mich sehr beeindruckt hat und das Engagement des Landes für die Kultur gezeigt hat. 2006 fand zum ersten Mal ein internationaler Marimbawettbewerb in Linz, in der Bruckner Uni, statt. Das war mein erster internationaler Wettbewerb. Ich bin damals mit 13 Jahren ohne große Erwartungen hingefahren – kam aber bis ins Finale, habe einen dritten Preis und einen Sonderpreis gewonnen. Und natürlich sind die Konzerte im Brucknerhaus immer etwas Besonderes: Es ist einfach ein tolles Haus und immer schön, in der eigenen Stadt zu spielen.

Christoph Sietzen (geb. 1992 in Salzburg) begann mit sechs Jahren Schlagwerk zu spielen und studierte später Marimba bei Bogdan Bacanu sowie Schlagwerk bei Leonhard Schmidinger an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz, wo er mit Auszeichnung abschloss. Er ist u. a. Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD (2014), wurde mit dem ICMA (International Classical Music Awards) Young Artist Award 2018 ausgezeichnet und erhielt 2019 einen OPUS KLASSIK als Nachwuchskünstler des Jahres für sein Album „Incantations“ (Sony Classical). 2014 bis 2019 war er Lehrender für Schlagwerk und Marimba an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, seit 2020 unterrichtet er an der Anton Bruckner Privatuniversität.

Konzerthinweis: Im Juni 2022 spielt Christoph Sietzen gemeinsam mit seinem Ensemble Motus Percussion Linz und Starcembalist Mahan Esfahani als Special Guest ein Konzert in der Container-Reparaturhalle des Linzer Hafens, bei dem unter anderem Blumentöpfe zum Einsatz kommen. Hier mehr Infos.

Ein Blogbeitrag von die jungs kommunikation.

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