VISIT LINZ
10.07.2018

Linzer Plätze mit Geschichte

Bei einem Spaziergang durch die Stadt Linz sehe ich zwar einerseits die moderne Stadt mit den innovativen Bauten, doch es gibt hier so viele Plätze, die viel Geschichte zu erzählen haben. So beschließe ich, einmal durch die Stadt zu schlendern und zu versuchen, sie mit anderen Augen wahrzunehmen.

Ob schwerwiegende Schicksale in der NS-Zeit, prägende Ereignisse oder Gebäude, die seit langem zum Stadtbild gehören: Gerade im Jahr 2018, in dem sich die Jahre 1918, 1938 und 1968 jähren, schauen wir zurück in die Vergangenheit. Ich starte meinen Spaziergang am Linzer Hauptplatz. Er ist einer der größten Plätze Europas und gefällt mir nicht nur wegen seiner bunten, barocken Gebäude. Spannend ist auch, dass er in seiner langen Geschichte bereits viele Namen trug. Ursprünglich im 14. Jahrhundert hieß der Platz „An dem Markt“. Dann folgten Namen wie „Großer Platz“, oder zu Habsburger Zeiten „Franz-Joseph-Platz“. In der NS-Zeit kam es auch zu einer Umbenennung in „Adolf-Hitler-Platz“. Erst nach dem zweiten Weltkrieg trug er den heutigen Namen „Hauptplatz“.

Über die angrenzende Hofgasse spaziere ich vorbei an vielen weiteren, barocken Gebäuden in die Altstadt. Das historische Zentrum der Stadt ist natürlich mit vielen geschichtlichen Ereignissen behaftet, aber etwas entdeckte ich erst vor kurzem. Am Alten Markt befinden sich die mit weißen Pflastersteinen markierten Umrisse einer mittelalterlichen Synagoge. Kurz halte ich auf dem Platz inne und gehe die Markierungen nach. Ehrfürchtig denke ich darüber nach, wie der Platz wohl früher ausgesehen hat und wie viele Personen schon über diese Steine spaziert sind.

Über die Altstadt führt ein Aufgang Richtung Schlossberg, wo ein weiterer Erinnerungsort zu sehen ist. Ein verschütteter Raum im zerstörten Südflügel des Schlosses legt nicht nur archäologische Funde frei, sondern ist mittlerweile auch ein Gedenkort für die verfolgten Jüdinnen und Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. Hier erkunde ich einen sehr stillen und gedenkwürdigen Ort inmitten eines jahrhundertealten Schlosses.

Nach einem geschichtsträchtigen Vormittag schlendere ich entlang der Landstraße und setze mich in das Café Central um eine gemütliche Pause einzulegen. Doch auch hier entdecke ich beim Eingang eine Gedenktafel, die meine Aufmerksamkeit erregt. Am 12. Februar 1934 wurde in dem Gebäude nach einer Waffendurchsuchung ein Kampf ausgelöst. Das Gebäude hieß 1934 noch „Hotel Schiff“ und ging mit dem Überfall als Ort des Beginns der Februarkämpfe in die Geschichte ein.

Zu guter Letzt möchte ich dem Innenstadt-Trubel noch etwas entfliehen und gehe Richtung Mariendom. Die größte Kirche Österreichs hat bereits beide Weltkriege erlebt, und beeindruckt mich nicht nur durch ihre mächtige Bauweise, sondern auch durch ihren besonderen Platz als Ruhepol mitten in der Stadt. Ein Denkmal im Mariendom, das ein sehr berührendes Schicksal hervorhebt, ist das von Franz Jägerstätter. Er wurde als Kriegsdienstverweigerer 1943 hingerichtet und 2007 hier im Mariendom heiliggesprochen.

Auf meinem Heimweg bin ich in Gedanken bei den Erinnerungen, die an den zahlreichen Plätzen behaftet sind. Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit, tut es gut, sich vergangener Ereignisse bewusst zu werden. Doch wie schön ist es auch, wenn uns eine ständige Weiterentwicklung vorantreibt. In diesem Sinne lasse ich meinen Tag an der Donau ausklingen. Auf der einen Seite mit Blick auf das mittelalterliche Schloss, auf der anderen Seite auf die modernen, leuchtenden Fassaden der neuen Museen…

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