VISIT LINZ
Central Linz
07.06.2020

Revue einer Kulturfolgerin. Fluten, Schriften, Feste und Flirttipps im Mai

Die Präsidentin schnürt durch die Freie Szene der Stahlstadt

Damen und Herren, geliebte Völker, verehrte Gäste!

Der Mai – das muss man offen sagen – ist meteorologisch unter seinen Möglichkeiten geblieben. Andererseits machen in den sozialen Netzwerken gerade Bilder die Runde, die Linz unter der Oberfläche der Donau zeigen: Das Hochwasser hatte 2013 das AEC das Schwimmen gelehrt, wie ein großes Schiff lag es am Nordufer. Das Grandhotel zum Rothen Krebs, eine legendäre Bar, wurde Opfer der Fluten. Der Vergleich lässt unsere Klagen über das Fehlen von Tropentagen verstummen. Und doch lieben die Linzer ihre Donau; ohne den Strom wäre die Stadt arm.

An einem der verregneten Tage ging ich also wieder einmal ins Stifterhaus, besah mir die Ausstellung „Etwas schreiben“ von Sarah Schlatter und wohnte einer Lesung von Angelika Ganser und Renate Silberer bei, es moderierte bestens Rudi Habringer.

Silberer Habringer

Auf dem Heimweg blieb ich eine Weile am Ufer der Donau stehen, Einwohnerinnen und Touristen staunten Schulter an Schulter über das tanzende Licht des AEC auf der aufbrausenden Wasseroberfläche.

Blick auf Donau mit AEC

Direkt auf der Donau, am ersten Sommerabend des Jahres, hörten wir kurz darauf der Wiener Poetry-Slam-Artistin und Comedienne Tereza Hossa zu. Gute Frau, sehr gute Frau! Sie schwindelte uns vor, bei Krankheit zum Tierarzt zu gehen, das sei billiger, und gab den anwesenden Damen bescheuerte, aber zweckmäßige Flirttipps. Und wo? Natürlich auf dem Salonschiff Florentine, der würdigen Nachfolgerin des Grandhotels zum Rothen Krebsen.

Hossa

Eine der sympathischsten Institutionen ist „sicht:wechsel“, das inklusive Kulturfestival. Heuer fand das vielfältige Programm zum fünften Mal statt – möge es noch fünfzig werden, möge es noch einmal so viel Publikum anziehen. Apropos sympathisch: Österreichs erstes Haus der Menschenrechte steht nun in Linz. Der Verein SOS Menschenrechte hat das abgewohnte Flüchtlingsheim mit vereinten Kräften saniert und einen Ort geschaffen, an dem Hilfe, Bildung und gemeinsames Feiern einen Platz haben.

Sichtwechsel

Zuletzt war ich endlich wieder einmal im renommierten Central. Das „Hotel zum Goldenen Schiff“, politischer Brennpunkt der Zwischenkriegszeit, war bis knapp vor der Jahrtausendwende das am längsten bespielte Lichtspielhaus der Stadt. Wo ich einst zum ersten Mal ins Kino ging („101 Dalmatiner“, schon damals eine Reprise), tummelt sich heute im renovierten Ensemble die Kulturszene. In meinem Fall war's eine anregende Diskussion zur Kulturpolitik. Nostalgischere Leute könnten sich aber auch den Saal mieten und selbst eine Walt-Disney-Reprise veranstalten.

Central

Für heute gehaben Sie sich wohl, ich muss mich nun mental auf den Sommer in der Stadt vorbereiten (also konkret weite Hosen kaufen, auf dass Platz sei für all die Besuche in Eissalons und Biergärten).

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