VISIT LINZ
29.01.2021

Rauf auf den Pöstlingberg: Wall mit Widerhall

Eine Winterwanderung über den Puchenauer Kreuzweg und den „Türmeweg“ zur Pöstlingbergkirche Linz.

Am linken Donauufer von Linz ragt die barocke Wallfahrtskirche weit über die Stadt – vom Hauptplatz zu erreichen mit der Pöstlingbergbahn oder zu Fuß über den Kreuzweg, mit Start Petrinum oder Puchenau. Und hier und da die Reste einer Turmanlage. Eine Wanderung durch den Schnee von gestern.

Noch immer ist Lockdown, doch dafür gibt es Schnee und oberhalb von Linz thront die heilige Wallfahrtskirche auf 539 Metern am Pöstlingberg und ruft: „Komm zu mir.“ Ich jedenfalls höre sie rufen und meine Gefährtin ebenso. Sie ist zum einen über den Kreuzweg zu erreichen, der am ehemaligen Bischöflichen Gymnasium Petrinum an der Knabenseminarstraße beginnt. Ebenso aber gibt es die Möglichkeit, den Puchenauer Kreuzweg zu wählen. Errichtet 1889 startet er schräg hinter der Turmöl-Tankstelle in Puchenau, der ehemaligen Hammerschmiede des Ortes, die später auch als Gasthaus betrieben wurde.

Von Linz kommend nehmen wir also den Bus (wahlweise die Mühlkreisbahn in Urfahr) und fahren bis Puchenau Ost, um die Gelegenheit zu nutzen, nicht nur hinaufzusteigen und der Heiligen Kirche einen Besuch abzustatten, sondern zusätzlich den Abstecher über den sogenannten Türmeweg zu nehmen, der zu drei mehr oder weniger gut erhaltenen Turmruinen im Wald führen wird, die Teil eines imposanten Projektes sind, das ringförmig die Stadt umspannt.

Dass sich die Stadt Linz, namentlich der Erzherzog Maximilian, noch 1831 durch den Bau von 32 Türmen vor Angriffen von außen schützen wollte, war eine Idee, die schon zwei Jahrzehnte später als veraltet galt, weshalb die Türme allesamt aufgelassen wurden und als sinnlos bezeichnet.

Welch Leid.

Aber es gibt sie ja dennoch, zum Teil erhalten oder umgebaut, und allesamt sind sie mit den Namen von 32 weiblichen Heiligen versehen. Edelburga, Luitgarde und Seraphina, von denen bei dieser kleinen Wanderung die Rede sein wird, sind nur drei von ihnen.

Von Puchenau startend geht es bergan (Wallfahrt!), an den Abbildungen des leidtragenden Jesu vorbei bis zu einer Gabelung, wo der erste Hinweis auf die Türme gegeben wird. Er besteht aus einer Bank und einer Informationstafel und ist liebevoll als Maxiturm angeschrieben, was nicht nach einem Frauenname klingt und deshalb offenkundig keinen der Wall-Türme bezeichnet, sondern eine Station, die den Ideengeber nennt, der die Turmlinie in Auftrag gab.

Von hier aus aber geht es weiter zur Warte Edelburga. Und sie ist so malerisch im Wald versteckt, mystisch überwuchert und mit Baumwuchs geschmückt, dass sie nicht allein zum Klettern einlädt, sondern dazu, innezuhalten und ihren Geschichten zu lauschen. Und so kommt ihr im Finden und Erfinden der verborgenen Geschichten doch noch die Sinnhaftigkeit zuteil, die ihr aufgrund der modernen Waffentechnik abgesprochen wurde, und es zeigt sich wieder einmal, dass jede vermeintliche Nutzlosigkeit immer nur eine Sache der Perspektive ist.

Welch Wonne.

Die sich anschließende Mauer (Anschlussmauer!) würde uns nun zur Donau hinunterführen, wenn wir nicht weitergehen wollten zum nächsten Turm: Luitgarde. Und in dem Wissen, es bei der Namensgebung mit Heiligen zu tun zu haben, könnte es sich hier um Luitgarde von Tongern handeln. Auserwählt zu Leid und Wonne (aha!) erfuhr sie Anfang des dreizehnten Jahrhunderts im Zisterzienserinnenkloster des heutigen Ottignies mystische Erlebnisse. Der Glaube daran fällt leicht an diesem Ort.

Im Inneren der Luitgarde, sagen wir: des nach ihr benannten Turms Nummer fünfzehn, befindet sich ein gut erhaltener Gang. Und apropos Waffentechnik: Möglichkeiten, sich zu verschanzen und mit Schneebällen zu beschießen (Leid und Wonne), gibt es außerdem. Die Spurenleserinnen unter uns erkennen augenblicklich den Reiz des Gewölbes, den offenbar auch andere zuvor empfunden haben mögen.

Folgen wir dem Türmeweg, so gelangen wir schließlich zum Turm Seraphina und noch weiter bergauf steht das sogenannte Pöstlingberg-Fort mit sechs weiteren Türmen. Und wem der Weg bergauf, bergauf, immer nur bergauf, zu anstrengend war, sollte eine Rodel mit sich führen. Denn so geht es schnell und schön und heilig und mystisch zurück über die Skiwiese nach Puchenau – oder vom Pöstlingberg hinab nach Linz.

Wonne pur, alles Leid vergangen, die Anstrengung (des Kreuzwegs) entlohnt.

Türmeweg - Puchenauer Kreuzweg mit Abstecher über den Türmeweg - zurück auf den Kreuzweg zur Pöstlingbergkirche und zurück, zirka sechs km (Runde möglich mit Start am Petrinum).

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Kommentare (1)

  • Silvia Demmig
    Silvia Demmig
    am 09.02.2021
    Liebe Corinna, so eine schöne Wanderung! Das nächste Mal treffen wir uns oben am Pöstlingberg und ich bringe die Thermoskanne mit Kaffee mit. Bei meinem Lieblingssitzplatz hinter der Kirche kann man auch die Sessel toll auf Abstand stellen :) und Danke, den Türmeteil kannte ich noch nicht, wir sind immer einfach so durch den Wald nach Puchenau hinunter. Übrigens, und das sieht man auf Deinen schönen Fotos: da gibt es tolles Abendlicht. Liebe Grüße, Silvia

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