VISIT LINZ
30.10.2020

Schauriges Linz

Graue Novembertage werden in Linz am besten für schaurige Spaziergänge genutzt.

Eines der gruseligsten Dinge in Linz für mich persönlich ist vermutlich „der Käferangriff“ in der Grottenbahn. Meinen Kindern, gesegnet mit dem Gemüt eines Fleischers, zaubert der Anblick jedes Mal ein Lachen ins Gesicht. „Da sind ja eh nur Zwerge“ meint die Jüngere nonchalant und erfreut sich munter weiter am „Kranken Hasen“ und dem „Toten Eichhörnchen“.
Es gibt allerdings schon ein paar Orte in Linz, die lassen uns alle schaudern.
Was einen Besuch noch ein klein wenig gruseliger macht, ist natürlich das passende Wetter. Im Gegensatz zu sonstigen Sightseeing-Touren bietet sich hier Nebel, Wind und Nieselregen besonders an. Ein Glück, dass es davon im November meist mehr als genug gibt.

Das versunkene Schiff im Hafen

Ein altes Hafenbecken im Industriehafen, hier und da ein paar Container und große Lagerhallen. Und mitten drinnen ragt es aus dem Wasser, ein altes halb verrostetes Schiff. Vor zehn Jahren versank die „schwimmende Werkstätte“ und bietet jetzt einen schaurigen Anblick. Gruselig abgerundet wird das Frack, durch das Graffiti von ROA an der Fassade der nahen Lagerhalle. Der zerstückelte Ziegenbock ist dann auch für meine Fleischer fast zu viel! Den besten – und legalsten – Blick auf das Wrack hat man auf der gegenüberliegenden Seite am vorgebauten Ufer, dort wo sich auch der Modelflughafen befindet.

Das Wrack im Industriehafen in Linz

Der Soldatenfriedhof in Urfahr

Am Fuße des Pöstlingbergs, gleich wenn der Wald beginnt, ist er nach einem kurzen Fußmarsch schnell erreicht. 585 Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg fanden hier ihre letzte Ruhe. Die von Moos bewachsenen Grabsteine und Kreuze stehen auf den Terrassenhängen, kaum jemand, der hier begraben liegt, war älter als 30 Jahre. Besonders mulmig wird einem bei einem Besuch in der Dämmerung. Denn wenn die Grabkerzen rot flackern und der Wald sich wie eine dunkle Mauer um einen aufbaut, scheinen die Lichter der Stadt und das Leben dort besonders weit weg.

Krypta im Mariendom

Kirchen per se wirken ja auf viele Menschen schon etwas einschüchternd. Und auch bei mir stellt sich beim Betreten oft ein ganz eigenes Gefühl ein. Gerade der Mariendom mit seiner Größe und Höhe lässt mich immer etwas ehrfürchtig werden. Was würden die Mauern erzählen, wenn sie sprechen könnten? Vielleicht endlich das Geheimnis preisgeben, wer 1933 den Mesner im Taufraum ermordet hat? Mystisch wird es dann auch, wenn man hinab steigt in die Krypta. Hier, wo der Grundstein des Neuen Doms gelegt wurde, haben auch einige Bischöfe ihre letzte Ruhe gefunden. Ruhe findet hier auch jeder Besucher, manchmal sogar mehr als einem lieb ist.

Der Mariendom in Linz

Limonistollen

Schon seit Jahrhunderten wurden Bauern-, Römer-, und Freinberg für unterirdische Lagermöglichkeiten genutzt. Während des II Weltkriegs wurde daraus, in vielen Fällen durch schwere Ausbeutung KZ-Gefangener, ein kilometerlanges Stollensystem. Wer auf diesen Bergen spazieren geht, wird immer wieder, auch gut versteckte Eingänge entdecken. Die Stollen sind in der Regel nicht öffentlich zugänglich. Solltet ihr einen unversperrten Eingang finden, dürft ihr natürlich nicht hinein! Es aber einige Möglichkeiten die gruseligen Tunnelsysteme zu durchkreuzen. Zum Beispiel im Zuge einer geführten Tour durch den Limonistollen oder durch den Stollen im Schlossberg, der sogar einen direkten Zugang zum Schloss hätte.
Mir reicht schon der Gedanken daran, für meine Kinder ist die grausige Geschichte hinter der Entstehung der Stollen noch nicht greifbar. Doch lässt ein Besuch eines Stollen jedem von uns einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Das Stollensystem unter Linz

Wächter der Zeit

Kurzes Gedankenspiel: Ein kalter Novembertag, graue dicke Nebelschwaden hängen über der Donau. Ihr geht entlang der Donau, Nieselregen und kalter Wind kriechen langsam auch unter die dickste Jacke. Ihr zieht den Kopf ein und stapft weiter und plötzlich stehen sie da, die „Wächter der Zeit“. Stumm harren sie am Donauufer und warten auf, naja, auf was den eigentlich?!
Mulmig kann einem da ja schon werden beim Anblick der riesigen Skulpturen ohne Gesicht.
Für meine kleine Heldin mit der großen Klappe musste es übrigens nicht einmal grau und düster sein, die Wächter der Zeit haben ihr auch an einem strahlend schönen Sommertag einen ordentlichen Schrecken eingejagt.

Kleiner Funfact am Rande: Erst letzte Woche fühlte sich ein Nachtschwärmer, laut eigener Aussage, so bedroht von den Skulpturen, dass er kurzerhand versuchte die Wächter in der Donau zu versenken.

Die Statuen "Wächter der Zeit" am Donauufer
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