„I mog mei Stodt einfach“
Wer mit Iris Eibensteiner durch Linz geht, merkt schnell, warum ihr diese Stadt so viel bedeutet. Man kennt sich, bleibt stehen, redet kurz, trifft Freunde zufällig. „Ein Dorf in der Stadt“, sagt sie. Und genau das liebt sie daran. Dass hier alles nah beieinanderliegt: die Kultur, das Wasser, das Grüne, die Menschen.
Mitte der 1990er-Jahre war sie eine der ersten Frauen, die in den Clubs der Stadt elektronische Musik mit Schallplatten auflegte. Damals galt Linz als Hochburg der Szene in Österreich. „Jetzt gibt’s wieder junge Menschen und Kollektive, die Bewegung in diese Bewegung bringen“, freut sich Iris.
Wenn nichts eine Rolle spielt
Heute steht Iris Eibensteiner meistens dort, wo sich vieles in ihrem Leben bündelt: am Hauptplatz 23. Hier führt sie ihren Shop „Buddy & Murphy“ mit ausgewählter Second-Hand- und Vintage-Mode. Und wenn bei „Beat Tatar“ aufgelegt wird, verwandelt sich der Laden selbst in eine kleine Bühne. „Für mich ist der Hauptplatz 23 weit mehr als nur eine Geschäftsadresse. Es ist ein Community Space, an dem tolle Menschen zusammenkommen – mit Büros, Hinterhofküche und einem ruhigen Innenhof als Rückzugsort mitten im Zentrum.“
Die Entscheidung, einen Shop zu eröffnen, entstand nicht aus einem Businessplan heraus. Sondern aus einer Frage. In einer schwierigen Phase fragte sie jemand aus ihrem Umfeld: „Wenn nichts eine Rolle spielen würde – was würdest du machen?“ Ihre Antwort kam sofort: einen coolen Modeladen in Linz eröffnen. Also tat sie es einfach. Der Hund dieser Person hieß Buddy – und damit war auch der erste Teil des Namens für den Shop gefunden.
„Ich bin eher ein intuitiver Mensch“, sagt Iris. „Ich mache oft zuerst und denke dann nach.“ Risiken habe sie selten als Bedrohung empfunden. Vielleicht auch, weil sie immer Menschen um sich hatte, die sie bestärkten. Menschen, die sagten: „Geil, mach das.“
Einfach nur Tanzen
Dass sie weiter an der Musik dranbleiben würde, war eigentlich klar. Unter ihrem mittlerweile dritten DJ-Namen Murphy legt Iris bis heute auf – inspiriert von ihrer großen Muse Róisín Murphy. Damit war auch der zweite Teil von Buddy & Murphy gefunden. Gemeinsam mit ihrem Partner und einem Freund gründete sie vor rund acht Jahren das Format „Nur tanzen“, das am Salonschiff Florentine stattfindet.
Die Idee dahinter ist verblüffend einfach: Menschen sollen unter der Woche tanzen gehen können. Einfach zwei Stunden Musik. Nu-Disco, House, Soul, Funk.
Das in der Stadt beliebte Veranstaltungsformat „Nur tanzen“ findet jeden zweiten Dienstag von 20 bis 22 Uhr statt. „Ein Abend zum Loslassen, zu dem man mit und ohne Begleitung kommen kann“, sagt die DJ.
Keine Angst vorm Scheitern
Iris spricht erstaunlich gelassen über Mut. Vielleicht, weil sie ihn nie als große Heldengeste verstanden hat. „Ich habe keine Angst vorm Scheitern“, sagt sie. „Wenn etwas nicht funktioniert, dann hör ich halt wieder auf.“
Vielleicht liegt genau darin ihr Zugang zum Leben: nicht alles zerdenken, sondern anfangen. Räume schaffen, in denen man sich selbst und andere frei fühlen dürfen – im Shop, auf der Tanzfläche oder irgendwo dazwischen.
Ein Gastbeitrag von Nika Mitteregger.






Kommentare (1)
Irmi
vor 1 Woche