Dem Deutschlehrer sei Dank
Manchmal beginnt ein neues Leben mit einem Plakat in der Straßenbahn. Für Cornelia Metschitzer war es ein Satz, der ihr nicht mehr aus dem Kopf ging: „Er will sie, er hat sie, die Matura.“ Damals arbeitete sie bereits als Drogistin, spürte aber, dass da noch mehr auf sie wartete. Die berufsbegleitende Matura wurde zum Wendepunkt. Am Bundesrealgymnasium für Berufstätige auf der Spittelwiese begegnete sie einem Deutschlehrer, der ihr die Tür zum Theater öffnete. Im Theater Phönix erlebte sie Inszenierungen, die sie tief berührten und in ihr den Wunsch weckten, selbst Menschen mit dieser Kunst zu erreichen.
Die Antwort suchte sie zunächst im Studium der Theaterwissenschaft in Wien, gefunden hat sie sie schließlich in der Praxis – gemeinsam mit ihrem Partner Rudi Müllehner.
Non-Stop-Arbeit aus Leidenschaft
Mit Rudi Müllehner, der Schauspieler ist, gründete sie zunächst die freie Theatergruppe bühne04. Als sich 2013 die Gelegenheit bot, das Gebäude des ehemaligen Eisenhand-Kinos beim Linzer Südbahnhofmarkt zu mieten, überlegten die beiden nicht lange. „Auch wenn es gewagt war, mit wenig Geld so etwas zu starten, fiel uns die Entscheidung nicht schwer“, erzählt Cornelia enthusiastisch.
Schritt für Schritt entwickelte sich die Tribüne Linz zu einem festen Bestandteil der Kulturlandschaft. Heute ist sie weit mehr als eine Bühne für eigene Produktionen. Rund die Hälfte des Programms besteht aus Gastspielen. Bekannte Künstler*innen finden hier ebenso Platz wie jene, die erst am Anfang ihres Weges stehen.
„Ich arbeite non-stop. Macht aber nix, es macht mir Spaß“, sagt Cornelia. Selbst auf Flohmärkten, wo sie gerne Zeit verbringt, sucht sie nach Kostümen und Requisiten, die später ihren Weg auf die Bühne finden. „Nichts von der Stange, dafür mit Geschichte“, betont die Theatermacherin.
Begeisterung wecken
Bildung bedeutet für Cornelia Metschitzer weit mehr als Lesen, Schreiben oder Rechnen. Es geht darum, Interessen zu entdecken. Vielleicht engagiert sie sich deshalb so stark dafür, junge Menschen ins Theater zu bringen. Schulklassen gehören seit Jahren zu den wichtigsten Besuchergruppen der Tribüne, denn oft entsteht die erste Begegnung mit dem Theater nicht zu Hause, sondern in der Schule – so wie einst bei ihr selbst.
Dranbleiben, wenn es schwierig wird
Derzeit steht die Tribüne Linz vor ihrer vielleicht größten Herausforderung. Nach einer umstrittenen Kündigung ihres Mietvertrags kämpfen Cornelia Metschitzer und Rudi Müllehner um den Fortbestand des Hauses. „Es geht um mehr als ein Gebäude. Es geht um künstlerische Möglichkeiten, die über Jahre entstanden sind“, sagt Cornelia. Aufgeben kommt für sie nicht infrage.
In erster Instanz haben sie Recht bekommen. Die Arbeit am Theater geht deshalb ungebrochen weiter: Mehr als 80 Vorstellungen stehen zwischen September und Dezember auf dem Programm – das bisher umfangreichste Herbstprogramm der Tribüne.
Ein Gastbeitrag von Nika Mitteregger.




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