Vom Studentenjob zur Festivaldirektorin
Als Christl Baur 2016 ins Ars Electronica Center nach Linz kam, war das eigentlich nur ein Zwischenstopp. Ein Job in der Ausstellungproduktion, neben dem Studium in Graz – temporär, dachte sie. Doch die Faszination für die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Technologie ließ sie nicht mehr los. Schritt für Schritt wuchs sie in die Arbeit am Festival hinein, übernahm Verantwortung, gestaltete Programme – und steht heute als Direktorin an der Spitze eines internationalen Teams, das jedes Jahr Tausende Menschen begeistert. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal in Linz lande“, sagt die geborene Münchnerin lachend. „Aber manchmal entwickelt sich etwas Großartiges, wenn man sich traut, dranzubleiben.“
Weltweit vernetzt, in Linz zuhause
Christl reist viel. Das Ars Electronica Center arbeitet mit Institutionen auf der ganzen Welt zusammen – mal stellen österreichische Künstler*innen in der Ferne aus, mal kommen internationale Partner nach Linz. Dieser Austausch zeigt, wie Kunst Brücken baut. „Wir wollen die Themen, Kunst, Technologie, Gesellschaft, auf denen Ars Electronica fußt, international sichtbar machen“, sagt sie. „Wenn Künstler*innen in Seoul, Montreal oder Tokio über digitale Kunst sprechen, soll Linz ein Begriff sein.“
Trotz der vielen Reisen ist Linz für sie längst Lebensmittelpunkt. Seit 2020 lebt sie fix in der Altstadt – mit ihrem Partner und einem Alltag, in dem sie keine Zeit mit langen Wegen verliert. „Ich liebe an Linz, dass hier alles so nah beieinanderliegt. Kultur, Kulinarik, Natur – alles in Gehweite.“
Das Festival im Wandel
Mut zur Veränderung zeigt sich auch im Festival selbst. Das Ars Electronica steht vor einem großen Umbruch: Nach Jahren in der Postcity zieht das Festival in die Innenstadt. „Das ist eine Herausforderung – und eine Riesenchance“, sagt Baur. „Wir wollen die Stadt selbst zur Bühne machen, verschiedene Institutionen bespielen und noch mehr Menschen ansprechen.“
Sie haben sich zum Ziel genommen, das Festival noch breiter aufzustellen: nicht nur für Kunst- und Kulturkenner, sondern für alle, die verstehen wollen, wie Technologie unsere Gesellschaft verändert. Symposien für Lehrer*innen, bei denen es um die digitale Transformation in der Schule geht, oder Formate wie die Lehrlingstage oder der „Festival-Kompass“ sollen Menschen empowern. „Wir wollen, dass sich bei den Veränderungen in unserer Gesellschaft – von KI bis Klimawandel – niemand machtlos fühlt. Wissen ist dazu ein wichtiges Instrument. Dann kann auch jede und jeder einen Beitrag zur Zukunft leisten – das ist unser Antrieb.“
Lieblingsorte und Lebensgefühl
Wenn Christl nicht gerade Projekte koordiniert oder um die Welt reist, zieht es sie nach draußen. Sie liebt die Donauauen zum Radfahren oder Laufen. An einem schönen Sommertag spaziert sie gerne vom Schlossberg über den Freinberg bis nach Wilhering, geht dort schwimmen und fährt am Abend mit dem Donaubus zurück in die Stadt.
Auch Linz’ Cafés haben es ihr angetan: Frühstück bei Joseph Brot, ein Kaffee in der Gerberei, im Café Schadzi, bei Friedlieb & Töchter oder bei Tutto Berny am Hessenplatz – die Entscheidung fällt schwer. Oder doch ins Café Strom beim Ars Electronica?
Mittags genießt sie die afrikanische Küche im Tamusana, und für besondere Anlässe geht sie ins Muto. „Ins Gelbe Krokodil kann man immer“, sagt sie. Und wenn Freunde oder die Familie aus München zu Besuch sind, zeigt sie ihnen die Stadt am liebsten beim Pflasterspektakel oder bei einem der vielen anderen Festivals, die sie so gerne mag – vom Electric Church bis Ahoi! Pop. „Ich staune immer wieder, wie viel hier los ist – auf engem Raum, mit so unterschiedlichen Menschen. Das macht Linz für mich besonders.“
Ein Gastbeitrag von Nika Mitteregger.




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