Laut Duden bedeutet „Mädchen“ übersetzt „nur“ weibliches Kind. Aber kaum ein anderes Wort ist geprägter von gesellschaftlichen Codierungen als der Begriff Mädchen. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Gesellschaft ständig im Wandel ist, ergeben sich neue Geschlechterbilder. Wie sehr Kunst dabei unsere Ansichten prägt, erfahre ich in der neuen Ausstellung.
Sehen und Gesehenwerden
Gleich zu Beginn zeigt ein Bild eine Situation, die für viele der erste Moment nach dem Aufstehen ist: der Blick in den Spiegel. Die Frau auf dem Gemälde wirkt verlegen, sieht sich nicht direkt an. Der Künstler weist hier auf einen besonderen Aspekt hin: Von klein auf wurden Frauen dazu erzogen, sich selbst durch den „männlichen Blick“ zu betrachten.
Obwohl die Schau von Mädchen handelt, ist nur ein Werk im Museum tatsächlich von einem 10-jährigem Mädchen gemalt: Eine Vitrine mit mehreren Märchendarstellungen. Alleine die Darstellung von Mädchen und Frauen in Märchen zu diskutieren, würde eine Ausstellung füllen. Doch die insgesamt neun Themenkreise sprechen noch weitere Aspekte an. Zum Beispiel wurden viele Frauen aus der Vergangenheit in Gemälden nackt gemalt. Wie würde man heutzutage dazu stehen? Oder auch das Thema der Generationen: wie haben sich Familien in den letzten Jahrzehnten verändert? Ist eine Tochter immer noch das brave, aufopferungsvolle Mädchen? Sowie neue Formen weiblicher Identität. Bis zu den Selbstbildern in digitalen Medien, die uns täglich prägen.
Perspektivenwechsel erwünscht
Wer sich ganz auf die Thematik einlassen möchte, wird im „Zimmer“ auf der hinteren Seite des Ausstellungsraumes dazu eingeladen. Hier können Erinnerungen und Gedanken geteilt werden. Ich sehe eine Karte, die dazu ermutigt folgenden Satz zu beenden: „Als es einmal egal war, dass ich (k)ein Mädchen bin…“. An ausgewählten Donnerstagabenden wird hier rund um das Thema „Mädchen sein“ diskutiert.
Die ausgefüllten Karten an der Wand machen mich neugierig – mal sind die Antworten nachdenklich, mal spontan, oft überraschend ehrlich. Könnte eine davon von mir sein?
Mädchen* sein!?
Vom Tafelbild zu Social Media
bis 06.04.2026
www.lentos.at





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Monday Folorunsho
am 17.12.2025