VISIT LINZ
Honetschläger
13.08.2025

Linzer Ausstellungssommer: Zwei Oberösterreicher*innen im Rampenlicht, Brigitte Schwaiger und Edgar Honetschläger

Linz ist eine Kulturstadt durch und durch, das sieht man nicht zuletzt an der regen Museumsszene, die immer einen Besuch wert ist. Die letzten beiden Ausstellungen, die ich mir angesehen habe, sind zwei international angesehenen Oberösterreicher*innen gewidmet.

Der eine, Edgar Honetschläger, bildender Künstler, Filmemacher und Umweltaktivist, wurde in Linz geboren, lebt seit 1989 allerdings vorwiegend im Ausland. New York, Sao Paulo, über 20 Jahre Tokio und seit 2011 pendelt er zwischen Rom und Wien. Honetschläger wurde mit zahlreichen Preisen und Förderungen ausgezeichnet, nahm an der documenta X und der Berlinale teil und blickt mittlerweile auf ein sehr reichhaltiges Oevre zurück, das aus Filmen, Fotografien, Bildern, Installationen, Performances und Interventionen besteht. Immer interessiert er sich dabei für den Gegensatz Mensch/Natur und einen anthropologischen Zugang. Man kann seine Werke nur verstehen, wenn man bereit sei, tiefer einzutauchen, schreibt er auf seiner Homepage. Honetschläger ist kein Künstler, der sich nur ästhetisch mit Themen auseinandersetzt, etwa mit der aktuellen ökologischen Krise, sondern einer, der sich auch in der Pflicht sieht, konkrete Maßnahmen zu setzen. So gründete er 2018 die Organisation „gobugsgo“, eine umweltaktivistische Initiative, um Insekten zu retten. Dabei werden mit zahlreichen Unterstützer*innen Naturflächen gekauft, zu denen Menschen keinen Zutritt haben. „Wir Menschen nützen die Natur immer als Erholungsraum, aber wann kann sich die Natur einmal von uns Menschen erholen?“, sagte er bei der Führung durch die Ausstellung im Nordico. „Give nature a break“, so der Ausstellungstitel, ist noch bis 17. August im Nordico zu sehen und zeigt einen höchst ansprechenden Querschnitt aus seiner gesamten Schaffensperiode. 

Honetschläger

Die andere Oberösterreicherin, der aktuell in Linz eine Einzelausstellung gewidmet ist, ist Brigitte Schwaiger. Die gebürtige Freistädterin war mit 28 Jahren gefeierter Star in der österreichischen Literaturszene. Sechs Jahre zuvor, mit 22, hatte sie bereits ein abgebrochenes Studium, eine Ehe samt Scheidung, Jahre in Spanien und ihre erste Depression hinter sich. Vor allem die Themen um die provinzielle Kleinbürgerlichkeit ihrer Kindheit, die Enge ihrer Ehe und ihre psychische Verfassung sind Inhalte ihres erfolgreichen Debutromans. Mit „Wie kommt das Salz ins Meer“, das in vielen Sprachen übersetzt wurde, wurde sie quasi schlagartig berühmt. An diesen Erfolg konnte sie später nie mehr anschließen, obwohl sie noch zahlreiche weitere Bücher veröffentlichte, viele davon autobiografisch gefärbt. Es waren ihre literarischen Versuche, Traumata aufzuarbeiten, allerdings in dem spannungsgeladenen Feld zwischen Öffentlichkeit und Privatem. Wie offen und direkt sie über sich selbst erzählte, zeigen auch die zwei sympathischen wie berührenden Audio-Dokumente. Schwaigers letztes Buch, bevor sie 2010 Selbstmord beging, ist ein sehr persönliches über sie als Patientin in der Psychiatrie: „Fallen lassen“ – übrigens auch literarisch wieder hoch gelobt. Das Buch habe ich mir am Anschluss an den Besuch im Stifterhaus sofort bestellt. Ebenso ihr „Ich suchte das Leben und fand dich“, in dem sie, ihren Worten zufolge, einiges aus ihrem Debutroman richtigstellte. 

Schwaiger

Das Stifterhaus widmet Brigitte Schwaiger die erste Personale und stellt neben ihrem literarischen Werk auch ihre bisher kaum bekannten oder beachteten Bilder in den Mittelpunkt.  Dabei wird vor allem den Wechselwirkungen zwischen ihrem Schreiben und ihrer Biografie nachgespürt, vom „Literaturbetrieb“ über ihre Heimatstadt Freistadt bis hin zu ihrem prekären Status als Psychiatriepatientin und „Sozialfall“.  Die Ausstellung ist bis 13. März 2026 zu sehen – und sehr zu empfehlen!  

Schwaiger

Auch wenn ich persönlich nicht so rege bei Museumsbesuchen bin wie die Museumsszene selbst, so geht es mir dennoch so, dass mich selbst ein Kurzbesuch, also wenn ich gerade in der Stadt bin und nur auf einen „Ausstellungssprung“ in ein Museum springe, enorm inspiriert. Was ich sehe, höre, lese, erweitert meine Welt, bringt mich zum Nach- und Weiterdenken und führt nicht selten zu einem Perspektivenwechsel, da oder dort. 

Teilen:

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Blogheim.at Logo