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KunstRaum
06.08.2025

Den Unebenheiten der Veränderung nachspüren

Mensch, Natur, Gesellschaft sind in einem permanenten Veränderungsprozess eingebunden, der aktuell schneller denn je voranschreitet. Die sich daraus ergebenden Unebenheiten sind Jahresthema im KunstRaum Goethestrasse xtd, der bis 8. August zur Ausstellung „Natur. Über Temperaturunterschiede“ einlädt.

Dem KunstRaum Goethestrasse xtd geht es nicht darum zu kritisieren, anzuprangern, Lösungen zu suchen, sondern sichtbar zu machen und dadurch in eine persönliche Auseinandersetzung zu kommen. Einerseits über künstlerische Positionen, andererseits über eigenes Tun und Handeln. Auch indem Fragen gestellt werden, die nicht dem üblichen Rahmen entsprechen, etwa „Wie können wir einen Raum kühlen?“, mit Farben, Materialien, Tönen. Oder „Wie schauen 46o Celsius aus“? Oder, wie der Künstler Vildan Turalic unter anderem untersuchte, wie sich Temperaturunterschiede im Inneren eines Baumes zeigen. Und damit vielleicht auch im Inneren von uns persönlich.

KunstRaum

Generell ist der KunstRaum Goethestrasse xtd ein Ort, der sowohl das „Konsumieren“ von Kunst wie das Erschaffen als etwas sieht, das der Reflexion mit sich selbst bedarf. Ein Ort, der daher auch beides anbietet und stets allen offensteht. Sämtliche Projekte entstehen jeweils in Zusammenarbeit mit Menschen mit psychosozialem Unterstützungsbedarf, mit Künstler:innen, mit Stadtbewohner:innen und Kunstinteressierten. Ein sehr besonderer Ort, wie ich finde, der mit seinen fünf Säulen ein unverwechselbares Kunstangebot schafft:

  • Präsentationen von Ausstellungen, Projekten und Dokumentationen
  • “City of Respect”: Kunst als Mittel für einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander (Infos zum Beispiel:  https://www.linz.at/kultur/80482.php)
  • Künstlerische Gestaltungen: “Kunst am Bau”, Tagungsbeiträge, Designs
  • Vermittlungsangebote von Workshops oder Reisen
  • Herstellen von Produkten im Rahmen der verschiedensten Kunstprojekte

     

Dem KunstRaum Goethestrasse xtd, übrigens ein Angebot von pro mente OÖ, geht es stets darum, Mensch, Kunst und Gesundheit zu verbinden, dabei Perspektiven zu öffnen, Kreativität zu ermöglichen und die dabei entstehenden Auseinandersetzungen ins eigene Leben einzubinden. Ein Großteil der Projekte und Workshops, die, wie gesagt, allen Interessierten offenstehen, spannt sich daher über einen längeren Zeitraum, was der persönlichen und gemeinschaftlichen Entfaltung eine wertvolle Tiefe gibt.

 

Auch anlässlich der aktuellen Ausstellung wurden solche Projekte ins Leben gerufen, um in künstlerischen und handwerklichen Beiträgen Temperatur sichtbar zu machen – und damit auch möglichen Unebenheiten nachzuspüren. Ob als messbar physikalisches Phänomen oder als veränderbare individuelle und kollektive körperliche Empfindung. Etwa das Projekt „Gehen“. Beispiele von Künstler:innen, die das Gehen als künstlerische Strategien verwenden, dienen bei gemeinsamen Spaziergängen durch die Stadt als Anregung, um eigene Zugänge zu finden. Oder die Schau- und Naturtagebücher, die Fundstücke von Wanderungen liebevoll bewahren. Auch das Handwerk als Ausdruck von etwas, das wir mit Materialien und Formen selbst schaffen können, steht im KunstRaum Goethestrasse xtd im Mittelpunkt und dabei stets in einem engen Zusammenhang mit dem Jahresmotto, wie aktuell das „Haute Couture Flicken“ oder die „Schnitzworkshops“. Wer selbst flicken oder schnitzen möchte, kann jederzeit vorbeikommen!

KunstRaum

Ich persönlich, so ehrlich will ich sein, auch wenn ich hier so „kundig“ schreibe, wachse erst langsam in den KunstRaum Goethestrasse xtd hinein. Obwohl mir bereits seit Jahren der Namen immer wieder zu Ohren gekommen ist und stets in Zusammenhang mit interessanten Projekten, so ist es doch nie so weit gekommen, dass ich persönlich vorbeigeschaut hätte. Im letzten Sommer dann ein erster kurzer Besuch, das genaue Durchstöbern der Homepage, Bestellen von Publikationen, Anmelden für den Newsletter und nun, wieder einen Sommer später, endlich mein Besuch auf einer Vernissage zu eben jener Natur-Ausstellung. Und ich möchte all jene, die vielleicht ebenfalls schon länger mit dem KunstRaum Goethestrasse xtd liebäugeln, aber wie ich ihre Zeit brauchen, dazu ermutigen, vorbeizuschauen. Denn man fühlt sich sofort wohl, aufgenommen, wird mit interessanten Perspektiven und Projekten inspiriert und bei Veranstaltungen zusätzlich mit Imbissen und Musik verwöhnt.

KunstRaum

Daher weise ich abschließend gerne auf die aktuellen Termine hin, die im Zusammenhang mit der Ausstellung „Natur. Über Temperaturunterschiede“ angeboten werden – vielleicht sieht man sich ja:

Donnerstag, 7. August, 9:00 bis 17:00 Uhr: Temperaturunterschiede im Tannermoor – ein Ausflug, um auch die Naturtagebücher zu erweitern

Freitag, 8. August, 18:00 Uhr: Gehen. Ein Projekt und eine Zwischenpräsentation.

KunstRaum

Das Jahresmotto wird in drei Schwerpunkten erarbeitet. Einer ist eben „Natur. Über Temperaturunterschiede“, ein zweiter „Erinnerungen. Über die Formen der Zeit“ und der dritte „Körper. Über wachsende Räume“. Und dazu startet im August das Schreiblabor mit der Schriftstellerin Lisa Spalt, zum Thema „Körper im Sommer“: zwei Workshop-Serien mit jeweils drei aufeinander aufbauenden Terminen: https://kunstraum.at/koerperimsommer/ Ich hab sie mir schon im Kalender eingetragen.

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